Sensorische
Integrationstherapie


Ein seit Jahrzehnten in der pädiatrischen Ergotherapie angewandtes Konzept, das die Wahrnehmung von Sinnesreizen, deren Verarbeitung und deren Beantwortung durch adaptive Reaktionen zum Inhalt hat.

Zielgruppe:

Ergos (mind. 70%), Physios,
Logos & Heilpädagog:innenen


Länge:

3 Modulen

Sensorische Integration ist der neurologische Prozess, durch den das Gehirn Informationen aus dem Körper und der Umwelt (z. B. Berührung, Bewegung, Geräusche, visuelle Reize und Körperwahrnehmung) aufnimmt, organisiert und interpretiert, um angemessene Reaktionen zu ermöglichen. Eine effektive sensorische Integration befähigt Menschen, Aufmerksamkeit, Emotionen, Körperhaltung, Koordination und Verhalten zu regulieren. Liegen Schwierigkeiten in der sensorischen Integration vor, kann das Gehirn sensorische Reize falsch interpretieren oder ineffizient verarbeiten, was sich auf Alltagsbewältigung, Lernen und soziale Teilhabe auswirken kann.

Die wegweisende Arbeit von Dr. Jean Ayres stellt hierbei die Grundlage dar und bietet in der SI-Theorie grundlegende Erkenntnisse darüber, wie sensorische Erfahrungen Verhalten, Lernen und Alltagsbewältigung beeinflussen.

Für die fachlich angemessene Anwendung des SI-Konzepts sind entwicklungspsychologische, neurobiologische und neurophysiologische Grundkenntnisse, die zur Einschätzung der kindlichen Entwicklungsdimensionen notwendig sind, unabdingbar.

Sensorische Integrationsprobleme können Menschen über die gesamte Lebensspanne hinweg betreffen und zu Schwierigkeiten in Bereichen wie Lernen, Emotionsregulation, Selbstversorgung, Spiel, Bildung, Arbeit oder sozialer Teilhabe und motorischer Koordination führen. Sensorische Auffälligkeiten treten häufig im Zusammenhang mit Autismus-Spektrum-Störungen (ASS), ADHS, Lernstörungen, Entwicklungskoordinationsstörungen und weiteren Diagnosen auf.

Für eine qualitätsgesicherte Diagnostik im Bereich der Sensorischen Integration (SI) benötigen Therapeut*innen umfassende fachliche und therapeutische Kompetenzen. Dazu gehören ein fundiertes theoretisches Verständnis der sensorischen Verarbeitungsprozesse sowie ihrer neurophysiologischen Grundlagen, die Fähigkeit zur differenzierten Beobachtung von Haltung, Bewegung, Verhalten und Selbstregulation sowie die fachgerechte Anwendung und Interpretation von Befragungsinstrumenten und standardisierten Testverfahren.

Ebenso zentral ist die strukturierte Anamnese unter Einbezug der Bezugspersonen, um die Auswirkungen sensorischer Verarbeitungsbesonderheiten auf Alltagsbewältigung und Teilhabe zu erfassen. Die Befunderhebung zur sensorischen Verarbeitung bildet dabei die Grundlage für spezifische Therapieangebote sowie für das Coaching und die Umfeldberatung (Kita, Schule, Arbeitsplatz usw.) der Klient*innen und ihrer Familien.

Auf der Grundlage aller erhobenen Daten erfolgt ein integratives klinisches Schlussfolgern (Clinical Reasoning), welche die Differenzierung sensorischer Problemlagen ermöglicht und die Basis für klientenzentrierte Zielsetzung, Therapieplanung sowie Beratung bildet. Ziel der SI-Diagnostik ist es, die individuellen Bedürfnisse präzise zu erfassen und evidenzbasierte Interventionen abzuleiten, die eine nachhaltige Verbesserung der Handlungsfähigkeit und Teilhabe unterstützen.

Auf der Grundlage sensorisch-integrativer Ansätze gestalten Therapeut*innen strukturierte, individualisierte und zielgerichtete Angebote, um sensorische Erfahrungen zu ermöglichen, die die Fähigkeit des Nervensystems unterstützen, Reize effektiver zu verarbeiten und zu integrieren. Durch sorgfältig abgestufte Aktivitäten, die adaptive Reaktionen fördern, zielt die Therapie darauf ab, funktionale Fähigkeiten zu verbessern und die Teilhabe an bedeutungsvollen Alltagsaktivitäten zu erhöhen. Die gemeinsam festgelegten Therapieziele werden dabei fortlaufend an die aktuellen Bedürfnisse des Kindes und seiner Familie angepasst. Eine zentrale Bedeutung kommt dem Transfer der erlernten Strategien in die Lebenswelt des Kindes zu, um nachhaltige Veränderungen im Alltag zu ermöglichen. Die Bedeutung eines ganzheitlichen Therapieansatzes, der sensorische, motorische, emotionale und kognitive Aspekte integriert, um Selbstständigkeit zu fördern und die Lebensqualität zu verbessern, sollte hervorgehoben worden.

Grundlage für diesen Text ist die aktuelle Präambel der SIGA AG Curriculum, vom 22.04.26.

Dazu gehört auch die systematische Betrachtung des Umfelds sowie der dort bestehenden Anforderungen und Erwartungen, da diese maßgeblich beeinflussen, wie sich sensorische Verarbeitungsbesonderheiten im Alltag auswirken und welche Unterstützungsmaßnahmen wirksam sind.

Letztlich unterstützt die Theorie der Sensorischen Integration das zentrale Ziel insbesondere der Ergotherapie aber auch anderer Therapieberufe Menschen zu befähigen, erfolgreich und selbstbewusst an den für sie bedeutsamen Aktivitäten teilzunehmen.

Der interdisziplinäre Charakter des Kurses unterstützt eine umfassende Herangehensweise an Interventionen und verbessert die Erfolge für Klient*innen. Ein inhaltlicher Schwerpunkt der Zusammenarbeit ist insbesondere die Übertragung der SI-therapeutischen Inhalte in den Alltag der Klient*innen. Ein zentrales Ziel ist die Vertiefung des Verständnisses für die Bedeutung sensorischer Verarbeitungsprozesse für Entwicklung, Verhalten, Teilhabe und Wohlbefinden über die gesamte Lebensspanne hinweg, um eine angemessene Unterstützung im Alltag zu ermöglichen.

Aufbau des SI-Kurses:

Der SI-Kurs wird aktuell in 3 Modulen und der Mentorenstufe unterrichtet. Er schließt ab mit dem Zertifikat, SI-SIGA.